Finanzen

Elterngeld beantragen als Vater: So beantragst du richtig

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Elterngeld ist eine der wichtigsten finanziellen Unterstützungen, die du als Vater in Deutschland in Anspruch nehmen kannst. Es ermöglicht dir, in den ersten Monaten nach der Geburt deines Kindes weniger oder gar nicht zu arbeiten, ohne dass deine Familie finanziell ins Straucheln gerät.

Doch der Weg zum Elterngeld kann auf den ersten Blick kompliziert wirken. Formulare, Fristen, Nachweise – ein Bürokratie-Dschungel, den viele Väter lieber vor sich herschieben.

Dabei ist der Antrag gar nicht so schwierig, wenn du genau weißt, was zu tun ist.

1. Hab ich als Vater einen Anspruch auf Elterngeld?

Kurz gesagt: Jeder Vater, der in Deutschland lebt, sein Kind selbst betreut und für diese Zeit beruflich kürzer tritt, kann Elterngeld beantragen. Dabei ist es egal, ob du angestellt, selbstständig oder arbeitslos bist. Die einzige Bedingung: Dein jährliches Einkommen darf 300.000 Euro (bei Paaren) bzw. 250.000 Euro (bei Alleinerziehenden) nicht überschreiten. Falls du also nicht zufällig auf der Forbes-Liste stehst, bist du dabei.

Eine besondere Regel gibt es für unverheiratete Väter: Wenn du nicht mit der Mutter verheiratet bist, brauchst du eine offizielle Anerkennung der Vaterschaft. Diese kannst du beim Jugendamt beantragen – am besten schon vor der Geburt, um später keine Verzögerungen zu riskieren.

Übersicht: Das Wichtigste zu Elterngeld als Vater
AnspruchJeder Vater in Deutschland hat Anspruch auf Elterngeld, wenn er sein Kind selbst betreut und beruflich kürzer tritt.
Maximale Rückwirkende ZahlungElterngeld kann nur für maximal 3 Monate rückwirkend beantragt werden.
Dauer des ElterngeldbezugsBis zu 12 Monate Basiselterngeld, bei Partnermonaten zusammen mit der Mutter bis zu 14 Monate.
ElterngeldPlusAuszahlung über doppelte Dauer, aber mit halbierter Summe – ideal für Teilzeitarbeit.
Partnerschaftsbonus4 zusätzliche Monate ElterngeldPlus, wenn beide Eltern zwischen 24 und 32 Stunden pro Woche arbeiten.
Höhe des Elterngelds65–67 % des durchschnittlichen Nettoeinkommens vor der Geburt, mindestens 300 € und maximal 1.800 € pro Monat.
Benötigte Unterlagen– Geburtsurkunde des Kindes (Spezialversion für Elterngeld)
– Personalausweis oder Aufenthaltstitel
– Einkommensnachweise (Lohnabrechnungen der letzten 12 Monate oder Steuerbescheid)
– Nachweis der Vaterschaft (bei unverheirateten Vätern)
Frist für Elternzeit-AnmeldungSpätestens 7 Wochen vor Beginn beim Arbeitgeber anmelden (bei Elternzeit zwischen 3. und 8. Lebensjahr: 13 Wochen Frist).
AntragsmöglichkeitenOnline oder per Post – Online-Antrag mit digitaler Identifikation oder Ausdruck mit Unterschrift per Post senden.
UnterschriftenAntrag muss von beiden Elternteilen unterschrieben werden, falls das Elterngeld aufgeteilt wird.
Häufige Fehler– Antrag zu spät stellen und Geld verlieren
– Fehlende Unterschriften oder Unterlagen
– Elternzeit nicht rechtzeitig beim Arbeitgeber anmelden
– Falsche Planung bei ElterngeldPlus oder Partnerschaftsbonus

2. Wann und wie solltest du als Vater den Antrag auf Elterngeld stellen?

Ein entscheidender Punkt: Elterngeld gibt es nur rückwirkend für maximal drei Monate. Heißt konkret: Wenn dein Baby am 1. Januar geboren wird und du erst im Mai den Antrag stellst, verlierst du potenziell zwei Monate Elterngeld.

Deshalb solltest du dich so früh wie möglich mit dem Antrag beschäftigen – am besten direkt nach der Geburt.

Du hast zwei Möglichkeiten, den Antrag einzureichen:

  1. Online-Antrag:
    • Du benötigst eine BundID (eine Art digitales Nutzerkonto für staatliche Dienstleistungen).
    • Der Online-Antrag führt dich Schritt für Schritt durch den Prozess.
    • Falls du einen elektronischen Personalausweis hast, kannst du alles direkt online abschicken.
    • Ohne elektronischen Perso musst du den Antrag ausdrucken, unterschreiben und per Post verschicken.
  2. Antrag per Post:
    • Lade dir das Antragsformular der zuständigen Elterngeldstelle herunter (welche für dich zuständig ist, findest du mit dem „Zuständigkeitsfinder“ online).
    • Fülle den Antrag aus, unterschreibe ihn und schicke ihn zusammen mit allen erforderlichen Unterlagen an die Elterngeldstelle.

Wichtig: Der Antrag muss von beiden Elternteilen unterschrieben werden, falls ihr euch das Elterngeld aufteilt.

3. Diese Unterlagen brauchst du für den Antrag

Damit dein Antrag nicht unnötig lange liegen bleibt oder wegen fehlender Dokumente zurückkommt, solltest du direkt alle erforderlichen Unterlagen beifügen:

  • Geburtsurkunde des Kindes (Spezialversion für Elterngeld, bekommst du vom Standesamt)
  • Personalausweis oder Aufenthaltstitel
  • Nachweise über dein Einkommen (Lohnabrechnungen der letzten 12 Monate oder Steuerbescheid bei Selbstständigen)
  • Nachweis der Vaterschaft, falls du nicht mit der Mutter verheiratet bist
  • Bescheinigung über Mutterschaftsgeld (falls relevant)

Tipp: Mach dir von allen Dokumenten Kopien und scanne sie ein, falls du sie später nochmal brauchst.

4. Welche Elterngeld-Varianten gibt es?

Nicht jedes Elterngeld ist gleich. Es gibt drei Modelle, die du als Vater nutzen kannst:

Basiselterngeld:

  • Du erhältst 65 bis 67 Prozent deines durchschnittlichen Nettogehalts vor der Geburt, mindestens aber 300 Euro und maximal 1.800 Euro pro Monat.
  • Basiselterngeld gibt es für maximal 12 Monate, aber nur, wenn deine Partnerin oder du die vollen Monate nehmen.
  • Partnermonate: Falls ihr euch das Elterngeld teilt und jeder von euch mindestens zwei Monate nimmt, bekommt ihr zusammen 14 Monate Elterngeld statt nur 12.

ElterngeldPlus:

  • Besonders interessant, wenn du während des Elterngeldbezugs in Teilzeit arbeiten möchtest.
  • Statt eines kurzen Bezugszeitraums kannst du das Geld doppelt so lange erhalten, bekommst aber pro Monat nur die Hälfte des Basiselterngeldes.
  • Perfekt, wenn du langsam in den Job zurückkehren willst, ohne komplett auf Elterngeld verzichten zu müssen.

Partnerschaftsbonus:

  • Falls du und deine Partnerin gleichzeitig in Teilzeit arbeitet (zwischen 24 und 32 Stunden pro Woche), gibt es zusätzlich vier Monate ElterngeldPlus extra.
  • Diese Regelung soll Eltern ermutigen, sich die Betreuung gerechter aufzuteilen.

5. Was musst du bei der Elternzeit beachten?

Elterngeld ist das eine – Elternzeit das andere. Wenn du als Angestellter arbeitest, musst du deinem Arbeitgeber spätestens sieben Wochen vor Beginn schriftlich mitteilen, wann du in Elternzeit gehst. Falls du Elternzeit zwischen dem 3. und 8. Lebensjahr deines Kindes nehmen willst, beträgt die Frist 13 Wochen.

Du hast Anspruch auf bis zu drei Jahre Elternzeit, kannst sie aber in mehrere Abschnitte aufteilen. Tipp: Falls du nicht die vollen drei Jahre auf einmal nehmen möchtest, kannst du dir einen Teil „aufsparen“ und später nutzen – etwa, wenn dein Kind in die Schule kommt.

6. Häufige Fehler, die du vermeiden solltest

Elterngeld klingt erstmal easy – Antrag ausfüllen, abschicken, Geld kassieren. In der Praxis gibt es aber ein paar fiese Stolperfallen, die dir den Prozess unnötig erschweren können.

Damit du nicht in die typischen Fallen tappst, hier die größten Fehler, die du unbedingt vermeiden solltest:

  1. Zu spät beantragen: Wie gesagt, Elterngeld gibt es nur rückwirkend für drei Monate. Also besser gleich nach der Geburt erledigen.
  2. Fehlende Unterschriften: Beide Elternteile müssen unterschreiben – sonst gibt’s Verzögerungen.
  3. Unvollständige Unterlagen: Fehlt auch nur ein Dokument, kann dein Antrag wochenlang liegen bleiben.
  4. Arbeitgeber nicht rechtzeitig informieren: Ohne fristgerechte Anmeldung der Elternzeit gibt es keinen Kündigungsschutz.

Fazit: Als Vater Elterngeld beantragen – es lohnt sich für dich und dein Kind

Elterngeld ist nicht nur eine finanzielle Unterstützung, sondern eine echte Chance. Eine Chance, in den ersten Monaten mit deinem Kind nicht nur abends müde nach Hause zu kommen, sondern wirklich dabei zu sein. Eine Chance, deine Vaterrolle von Anfang an aktiv zu leben, statt nur am Wochenende ein paar Stunden abzubekommen. Eine Chance, deine Familie zu entlasten und dich selbst nicht in den Wahnsinn zwischen Job, Haushalt und Babygeschrei zu treiben.

Klar, der Antrag ist Bürokratie – aber mach dir nichts vor: So kompliziert, wie es oft dargestellt wird, ist es nicht. Wenn du dich einmal mit den Voraussetzungen, den Fristen und den richtigen Unterlagen beschäftigst, ist das Ding schneller durch als gedacht. Der größte Fehler, den du machen kannst? Es aufzuschieben oder es gar nicht erst zu beantragen. Denn jeder Monat, den du wartest, kann dich bares Geld kosten.

Wichtig ist, dass du dir im Vorfeld Gedanken machst, welche Variante für dich passt. Ob Basiselterngeld, ElterngeldPlus oder Partnerschaftsbonus – es gibt genügend Modelle, um das Beste aus deiner Zeit mit deinem Kind herauszuholen. Und falls du Angst hast, dass es im Job schiefgeht: Die Zahlen zeigen, dass immer mehr Männer Elternzeit nehmen. Du bist nicht der Erste, der das macht – und es wird Zeit, dass Arbeitgeber verstehen, dass Väter genauso Verantwortung für ihre Kinder übernehmen.

Am Ende geht es nicht nur ums Geld. Es geht um Zeit. Und die ersten Monate mit deinem Kind bekommst du nie wieder zurück. Also, nimm dir die Zeit – es lohnt sich.

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