„Wir können uns keine Kinder leisten.“
Häufig wird diese Floskel genutzt, um das leidige Thema schnell abzuwürgen.
„Kann ich mir Kinder leisten?“ Ist dennoch eine wichtige Frage, die sich viele Paare stellen, bevor sie Kinder bekommen. Richtiger formuliert müsste sie eigentlich lauten: „Was kann ich mir zukünftig außer Kindern noch leisten?“.
In der Tat ist die Entscheidung zu einem Kind auch eine finanzielle Entscheidung. Es sind hierbei nicht die „Anschaffungs-„ sondern vielmehr die „Betriebskosten“ die ins Geld gehen. Geld, dass zukünftig nicht mehr für andere Dinge zur Verfügung stehen wird.
Was kostet ein Kind?
Das Statistische Bundesamt hat vor einiger Zeit ermittelt, dass ein Kind im Bundesdurchschnitt ca. 148.000 € kostet bis es 18 Jahre alt ist
Wenig verwunderlich ist, dass die jährlichen Kosten steigen, je älter Deine Kinder werden. Sind es in den ersten 6 Jahren ca. 7.000 € pro Jahr und 8.200 € im Jahr zwischen 6 und 12 so steigen die Kosten bis auf 9.400 € im Jahr in den Teenagerjahren bis zu Volljährigkeit
Realistisch gesehen ist hier aber nicht Schluss. Im Alter von 18 Jahren sind viele Kinder noch lange nicht finanziell unabhängig. Studium, Ausbildung und Co. kosten weiter Geld.
Realistisch gesehen ist hier aber nicht Schluss. Im Alter von 18 Jahren sind viele Kinder noch lange nicht finanziell unabhängig. Studium, Ausbildung und Co. kosten weiter Geld.

Gesteigerte Kosten, weniger Einkommen
Experten haben analysiert, dass Kinder 20 % des Haushaltseinkommens verbrauchen – in etwa so viel wie Miete. Jeder 5. Euro wird demnach für Kinder ausgegeben.
Fakt ist, dass neben den gesteigerten Kosten eine Familie mit Kindern meist auch über weniger Einkommen verfügt. Rund 63 % des Einkommens von kinderlosen Paaren haben Familien mit Kindern zur Verfügung.
Linktipp: So können Eltern Steuern sparen – Mehr Geld für die Familienkasse
Wie sind Kinder finanzierbar?
Wenn ich Dich bis hierher ziemlich geschockt haben dürfte (kaum jemand macht sich Gedanken darüber, was ein Kind wirklich kostet), gibt es doch viele Möglichkeiten ein Kind zu finanzieren.
Zunächst einmal ist es wichtig, alle Ausgaben zu kennen, aber auch alle Einnahmen. Richtig, mit Kindern hast Du auch Einnahmen, die Du vorher nicht hattest und die helfen sollen, das 37 %-Loch in Deinem Haushaltsbudget zu schließen.
- Da wäre zuallererst das Elterngeld. Der Staat zahlt Dir 12 Monate lang 67 % des Einkommens des Partners, der in Elternzeit geht. Mindestens 300 €, maximal 1.800 €.
- Außerdem gibt es Kindergeld. 219 €/Kind für die ersten beiden Kinder, 225 € für das Dritte und ab dem Vierten gibt es 250 €/Kind.
- Neben dem Geld, was Du bekommst, sparst Du auch noch Geld – nämlich Steuern. Das geht dank des Kinderfreibetrages. Im Jahr 5460 Euro (2730 Euro je Elternteil). Weiterhin gibt es noch einen Freibetrag für Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf der Kinder in Höhe von 2928 Euro (1464 Euro je Elternteil). Diese Summen musst Du weniger versteuern.
Ich empfehle, eine genaue Aufstellung aller Einnahmen und Ausgaben zu erstellen und Dir so einen Überblick über Deine finanzielle Situation zu verschaffen. Dabei musst Du überlegen, welche Kosten Du mit Kind haben wirst. Es wird sich auf der Ausgabenseite einiges verändern. Du wirst mehr Geld für Baby- und Kindersachen ausgeben, aber weniger für privaten Konsum wie Kino, Restaurant oder andere Dinge. Vielleicht fällt ja ein Arbeitsweg weg, was Spritkosten spart oder gar ein Auto überflüssig macht, das verkauft werden kann?
Linktipp: Elterngeld beantragen als Vater: So beantragst du richtig

Grundsätzlich hat sich bei uns folgende Faustregel bewährt:
- 70 % des Haushaltsbudgets für Lebenshaltung ausgeben (also Miete, Lebensmittel, etc.)
- 20 % für den Abbau von Schulden ausgeben (wenn Du keine Schulden hast, spar das Geld für größere Anschaffungen oder Investitionen wie Urlaub oder ein neues Auto)
- 10 % für Kapitalaufbau anlegen
Fakt ist und bleibt: mit einem Kind hast Du weniger Geld für Dich und Deine Bedürfnisse zur Verfügung.
Wird das Geld knapper, müssen die Ausgaben besser geplant werden und disziplinierter mit dem Geld umgegangen werden.
Wenn Du den Wunsch hegst Vater zu werden lohnt sich ein Blick auf Deine finanzielle Situation um Dich darauf einzustellen ob und wie ein Kind Deine persönliche Gesamtsituation verändern wird.
Wie viel ist Dir ein Kind wert?
Bei all der Rechnerei darfst Du eines nicht vergessen. Es ist nicht alles kalkulierbar. Kinder zu bekommen und zu haben ist und bleibt ein kleines Abenteuer.
Die wichtigste Frage ist nicht ob Du Dir ein Kind leisten kannst oder was was Du Dir ausser einem Kind dann noch leisten können wirst.
Die Frage ist, was ist Dir es wert ein Kind zu haben?