Ausstattung für Kinder

Fahrradsitz vs. Fahrradanhänger – Der ultimative Ratgeber

kinderanhaenger

Wer gerne mit dem Fahrrad unterwegs ist, dem ist wahrscheinlich schon aufgefallen, dass Fahrradanhänger für Kinder mittlerweile allgegenwärtig sind. Es scheint beinahe so, als hätten sie langsam aber sicher den guten alten Fahrradsitz vom Straßenbild verdrängt. Warum die Teile so beliebt sind, wie es zu den großen Preisunterschieden kommt und was genau einen teuren von einem günstigen Anhänger unterscheidet, zeigt der folgende Gastbeitrag vom Fachmann Gerald Bacher.

Auf seinem eigenen Portal befasst er sich intensiv mit den verschiedenen Fahrradanhängern. Uns stellt er hier die wesentlichen Unterschiede zwischen Fahrradsitz und Fahrradanhänger vor.

Fahrradanhänger erfreuen sich wachsender Beliebtheit und lösen den Kindersitz immer weiter ab
© Antranias (Pixabay)

Warum Fahrradanhänger boomen

Fahrrad-Fans möchten natürlich auch mit Kindern nicht auf ihr liebstes Hobby verzichten! Wer Babys und Kleinkinder mit auf Tour nehmen will, kommt also an zwei Lösungen nicht vorbei: entweder dem klassischen Fahrradsitz oder aber das moderne Pendant, dem Fahrradanhänger. Grundsätzlich unterscheiden sich beide Varianten darin, dass mit einem Fahrradanhänger im Gegensatz zum Fahrradsitz auch zwei Kinder transportiert werden können.

Abgesehen davon punkten Kinderfahrradanhänger mit zahlreichen weiteren Vorteilen:

  • Sie sind bequem und bieten Kindern jede Menge Platz
  • Sie überzeugen mit besseren Sicherheitseigenschaften wie 5-Punkte-Sicherheitsgurt, sowie Seitenausprall- und Überrollschutz
  • Viele Modelle können auch als Buggy und Jogger eingesetzt werden
  • Der große Stauraum eignet sich perfekt für Fahrradreisen oder auch für Einkäufe
  • Kinder können darin sogar spielen oder ein gemütliches Nickerchen einlegen

Trotz der vielen Vorteile, sollte man aber fairerweise auch die Nachteile nicht außer Acht lassen. Hierzu zählen beispielsweise folgende:

  • Fahrradanhänger sind vergleichsweise teuer in der Anschaffung
  • Die Erstmontage ist deutlich aufwendiger
  • Sie sind sperriger und brauchen mehr Platz zu hause, im Auto und im Straßenverkehr
  • Der Kontakt mit dem Kind während der Fahrt ist eingeschränkt
  • Anhänger müssen stets ausreichend gesichert werden, da sie gerne gestohlen werden
  • Das ständige An- und abkoppeln bei kurzen Strecken ist mit der Zeit nervig

Ob nun ein Fahrradanhänger oder ein Fahrradsitz die passende Lösung ist, kommt vor allen Dingen auf den individuellen Einsatzzweck an. Wer beispielsweise gerne und viel auf längeren Routen oder vielleicht sogar im Urlaub mit dem Rad unterwegs ist, für den ist ein Kinderanhänger die richtige Wahl. Ist man stattdessen lediglich auf kurzen Strecken unterwegs und hat man zudem nur ein Kind, dann ist oft ein günstigerer Fahrradsitz vollkommen ausreichend.

Beim Kauf von einem Fahrradanhänger solltet ihr genau hingucken

Die Preisunterschiede beim Fahrradanhänger: teuer vs. günstig

Ist die Entscheidung für einen Fahrradanhänger gefallen, kann es auch schon mit der Recherche nach dem passenden Modell losgehen. Schnell wird man allerdings feststellen, dass die Auswahl und vor allem auch die Preisunterschiede enorm sind. Doch wie kommen diese Preisunterschiede überhaupt zustande? Worin unterscheiden sich nun teure von günstigen Anhängern eigentlich? Und, worauf sollte man beim Kauf eines Anhängers genau achten? Am besten man orientiert sich an den wichtigsten Qualitätskriterien von Fahrradanhängern:

Aufbau: gute Anhänger überzeugen mit einem einfachen, intuitiven und werkzeuglosen Aufbau. Bietet der Hersteller eine gut bebilderte Aufbauanleitung oder noch besser, eine Videoanleitung im Internet?

Materialien: ein leichter, aber stabiler Alu-Rahmen in Kombination mit schadstoffgeprüften Materialien ist unerlässlich. Billig-Produkte rosten schnell und verfügen nicht über eine objektive Schadstoffprüfung, wie beispielsweise durch das Tox-Proof-Siegel!

Federung: teure Anhänger bieten eine ausgezeichnete Federeigenschaft. Das macht die Fahrt für Fahrer und Passagier deutlich angenehmer! Wichtig: eine individuell, auf das Gewicht des Kindes einstellbare Federung ist ideal!

Stauraum: sogar mit nur einem Kind sollte man sich überlegen sich eventuell gleich einen Zweisitzer anzuschaffen. Ein Zweisitzer bietet nämlich nicht nur Platz für ein zweites Kind, sondern praktischerweise auch fürs Gepäck. 50 Liter Stauraum sind ein guter Anhaltspunkt!

Sicherheitsmerkmale: wichtig sind ein gut gepolsterter 5-Punkte-Gurt, Seitenaufprall- und Überrollschutz, Kippschutz, ein tiefer Schwerpunkt, ein negativer Radsturz, sowie eine gute Sichtbarkeit bei Dämmerung!

Multifunktionalität: je teurer das Produkt, desto mehr Features werden geboten. Viele Eltern nutzen den Fahrradanhänger als Kinderwagenersatz (Buggy) oder auch zum Joggen. Thule beispielsweise bietet sogar eine Erweiterung zum Skifahren!

Faltbarkeit: je kleiner das Falt-Maß, desto praktischer ist der Anhänger zum Transport im Auto oder zum Überwindern im Keller oder in der Garage!

Gewicht: ein geringes Eigengewicht macht sich bei langen Fahrten und bei Steigungen bemerkbar. Richtwert: ein Einsitzer sollte nicht mehr als maximal 14kg wiegen. Top-Werte liegen bei 11kg! Expertentipp: für Vielfahrer ist ein E-Bike eine Überlegung wert!

Sitzplätze: logisch, ein Zweisitzer ist in der Regel teurer als ein Einsitzer, wobei der Aufpreis gar nicht so groß ist. Ein Zweisitzer ist für Vielfahrer definitiv empfehlenswert!

Zusatz-Features: verfügt der Anhänger über ein Mückennetz? Ist er wasserdicht? Hält er UV-Strahlung ab? Ist der Innenraum gut belüftet? Diese Fragen sollten alle mit Ja beantwortet werden können!

Qualitätssiegel: verfügt der Anhänger über schadstoffgeprüfte Materialien (Toxproof-Siegel) und gibt es ein gutes Testurteil von Stiftung Warentest? Dann ist alles o.k! Im Zweifel hilft auch ein Blick in die Europäische Liste für Produktrückrufe RAPEX.

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© KBO Bike (Unsplash)

Bekannte Marken wie Thule oder auch Croozer sind zwar vergleichsweise teuer, aber sie erfüllen in der Regel die angeführten Qualitätskriterien am besten. Hier sind vor allem die manuell einstellbare Federung, das geringe Eigengewicht und die Multifunktionalität hervorzuheben.

Wer mit dem Gedanken spielt sich einen Kinderfahrradanhänger zuzulegen, sollte nicht auf das günstigste No-Name Gerät hereinfallen, denn dann wird man schnell enttäuscht. Vielmehr sollte man einen Fahrradanhänger als Investition für die Sicherheit des Kindes sehen, indem sich der Nachwuchs auch wirklich wohl fühlt. Außerdem lassen sich teure Anhänger auch nach Jahren der Nutzung (bei entsprechender Pflege) noch zu einem guten Preis weiterverkaufen. Ein Billig-Produkt hingegen landet wahrscheinlich bereits nach der ersten Saison auf dem Sperrmüll!

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